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Sind nette Manager besser als effektive?

Christoph Wirl vom Magazin Training führte Interviews zu diesem Thema mit Tanja Abwa von Scheelen Österreich, Mag. Birgit Fischer-Sitzwohl von Coverdale, Jürgen Smid von karriere.at und Harald R. Preyer von EUCUSA.

Was versteht man unter dem Begriff 360-Grad-Feedback?

Sucht man im Internet, so findet man folgende Definition: Es ist eine Methode zur Einschätzung der Kompetenzen und Leistungen von Fach und Führungskräften aus unterschiedlichen Perspektiven wie zum Beispiel aus Sicht der Mitarbeiter, der Vorgesetzten, der Kollegen, Teammitglieder oder Kunden.

Mag. Jürgen Smid definiert den Begriff ähnlich: "360-Grad-Feedback bedeutet, dass Fachund Fu?hrungskräfte nicht ausschließlich von hierarchisch höher stehenden Positionen, sondern von Mitarbeitern aus allen hierarchischen Ebenen und auch von Kunden nach ihren Leistungen und Fähigkeiten beurteilt werden, also aus jeder Perspektive (360 Grad) beleuchtet werden. Daraus soll sich der Unternehmensfu?hrung ein ganzheitlicher Blick auf die betreffende Führungskraft erschließen."

Wirkungsvolles Element moderner Personal- und Organisationsentwicklung?
Für Harald R. Preyer sind 360-Grad-Feedbacks wirkungsvolle Elemente moderner Personal- und Organisationsentwicklung. Er beschreibt: »Führungskräfte werden dabei online von Mitarbeitern, Kollegen, den direkten Vorgesetzten und Außenstehenden, meist Kunden und Lieferanten, beurteilt. Die Zusammenschau dieser Beurteilungen ermöglicht eine intensive Reflexion der eigenen Wirkung auf andere."

Wo befinden sich die Gefahren?
Einerseits liegen die Gefahren in schön gefärbte Aussagen, da die Mitarbeiter negative Folgen erwarten oder aber ganz im Gegenteil wenn der Mitarbeiter dem Chef "eins auswischen" will.

Wertschätzendes Feedback zeigt sich in der Haltung
Harald Preyer spricht aus seiner langjährigen Erfahrung "Je ehrlicher ein Feedback ist, umso wirkungsvoller wird es sein. Dabei kann z. B. Fehlverhalten als Verbesserungspotenzial beschrieben werden. Wesentlich sind weniger die Worte als vielmehr die Haltung des Feedback-Gebers. Wer Menschen wirklich mag, der wird ihnen auch wertschätzend sagen, was ihn stört."

Feebackregeln einhalten
Mag. Birgit Fischer-Sitzwohl
spricht u?ber die Wichtigkeit von Feedbackregeln: "Für mich müssen stets die Feedbackregeln eingehalten werden. Bei jedem Feedback sollte die Führungskraft große Ohren bekommen und die einzig akzeptable Antwort lautet stets:Danke. Wesentlich dabei ist, dass das Feedback gewünscht war."

Mag. Dr. Tanja Abwa kennt noch eine weitere Anforderung: "Feedback soll sich immer auf das geforderte Arbeitsverhalten beziehen. Dabei bietet die Methode des 360-Grad-Feedbacks mit einer individuellen Benchmark mehrere Vorteile gegenu?ber Einzelfeedbacks: Zum einen wird durch die Auswahl und Definition der passenden Benchmark vermieden, dass Mitarbeiter und Fu?hrungskräfte sich Feedback zu unerheblichen oder unpassenden Items geben. Zum anderen ermöglicht das 360-Grad-Feedback eine höhere Objektivität des Feedbacks (von Fachleuten erarbeiteter Fragebogen, Beurteilung durch mehrere Personen aus unterschiedlichen Blickwinkeln …). Eine professionelle Rückmeldung kann durch Personalisten und externe Berater begleitet werden, um richtige Schlüsse daraus abzuleiten und konkrete Entwicklungsschritte zu setzen."