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Gezielte Irritation: Wege für neues Denken und Handeln

Wann und warum Unternehmen systemische Organisationsberatung in Anspruch nehmen sollen, was damit erreicht wird und was den Ansatz vom inhaltsorientierten Beratungsansatz unterscheidet, recherchierte Christine Wirl für die Zeitschrift Training Nr. 8/11.


Systemische Organisationsberatung ist ein Konzept, das vor allem in der Unternehmensberatung angewandt wird und davon ausgeht, dass sich komplexe Probleme nicht lösen lassen, wenn man die Aufmerksamkeit lediglich auf ein Element richtet.

Harald Preyer (EUCUSA): "Systemisches Denken und Handeln entspricht einer Haltung: Der Kunde ist kundig. Das System des Kunden ist das Expertensystem, das über Wissen, Erfahrungen und Bilder der eigenen Realität in hohem Maße verfügt. Die Aufgabe des Beraters ist es, dieses System zu spiegeln, mit unterschiedlichen Brillen zu betrachten und die Unterschiede transparent zu machen. Dadurch entsteht bewusste Irritation, die neues Denken und Handeln ermöglicht."

Nicht die Antworten stehen im Mittelpunkt, die Fragen sind der Kern.

DI Gabrielle Höller (Höller Organisationsentwicklung): "Die Lösung muss von innen kommen. Die »Experten des Problems« sind die Mitarbeiter, die das Problem haben. Systemische Beratung fokussiert mit ihren Interventionen wie z. B. Coaching auf die Wechselwirkung in sozialen Systemen (wie Unternehmen oder Abteilungen), um ihre Regeln, die das Verhalten der Personen in diesen Systemen leitet, zu verstehen."

Alexander Ahrer (Team|Vision - Systemische Organisationsentwicklung): "Systemische Organisationsberatung nutzt die Dimensionen Zeit, Wahrnehmungsebene und Interventionsebene, indem sie dem Kunden hilft, die Perspektive innerhalb dieser Möglichkeiten zu wechseln und die Situation z. B. als »Dritter« aus der nahen Zukunft zu beurteilen."

Wann wirkt systemische Organisationsentwickung?

Ruth Seliger (TRAIN Consulting): "Bei immer wiederkehrenden Prozessen, die unproduktiv sind. Bei der Annahme, dass die Organisation selbst das Potenzial hat, diese Probleme zu lösen, allerdings nicht weiß, wie - dann ist systemische Beratung angesagt."

Mag. Birgit Fischer-Sitzwohl (Coverdale Österreich): "In den meisten Fällen handelt es sich um Veränderungsprojekte, wenn nichts mehr klappt - in der Zusammenarbeit, in den Abläufen, in der Führung etc."

Dr. Kurt Riemer (Mental & Team Coaching) sieht noch einen großen Themenkreis: "Etwa bei Übergaben und Nachfolgen. Es handelt sich dabei um einen Prozess, bei dem die handelnden Personen unterschiedliche Talente und Kompetenzen einbringen. Ein systemischer Zugang ist außerdem dann zu empfehlen, wenn mehrere Personen, Teams oder zukünftige Entwicklungen davon betroffen sind."